Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) geht einen besonderen Schritt in der Bestattungskultur: Auf dem Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde ist es ab sofort möglich, Haustiere gemeinsam mit ihren verstorbenen Halterinnen und Haltern beizusetzen. Damit wird ein Wunsch erfüllt, den viele Menschen seit Jahren äußern – die letzte Ruhe nicht nur mit Familienmitgliedern, sondern auch mit ihren geliebten Tieren teilen zu dürfen.
Bis zu zwei Tierurnen als Beigabe erlaubt
Die neue Regelung sieht vor, dass in einem bestehenden Grab zusätzlich bis zu zwei Urnen mit der Asche von Hunden, Katzen oder Kleintieren bestattet werden dürfen. Auch eine einzelne Urne mit der Asche eines Pferdes kann als Beigabe beigesetzt werden. Möglich ist dies sowohl bei neuen Grabstätten als auch nachträglich, wenn sich Angehörige dafür entscheiden.
„Immer wieder wenden sich Menschen an uns, die fragen, ob sie ihre Tiere mit ins Grab nehmen können“, erklärt Pastorin Silke Wierk. „Haustiere sind für viele längst Teil der Familie. Mit der neuen Möglichkeit möchten wir Trost spenden und den Wunsch nach einem gemeinsamen Abschied respektieren.“
Seltenes Angebot in Deutschland
In Deutschland ist die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier bislang nur auf wenigen Friedhöfen erlaubt. Die Rechtslage ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, da Friedhöfe in kommunaler oder kirchlicher Trägerschaft über ihre Satzungen selbst entscheiden. In den meisten Fällen gilt eine strikte Trennung: Tiere werden auf speziellen Tierfriedhöfen beigesetzt, Menschen auf kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen.
Nur vereinzelt gibt es Ausnahmen. So ermöglichen einige Friedhöfe in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Bayern bereits ähnliche Beisetzungen. Harrislee reiht sich nun in diesen noch kleinen Kreis ein und könnte damit ein Vorbild für weitere Gemeinden im Norden werden.
Beweggründe vieler Tierhalter
Die Nachfrage steigt: Laut Umfragen sehen viele Tierbesitzer ihre Hunde oder Katzen nicht nur als Haustiere, sondern als vollwertige Familienmitglieder. Der Gedanke, nach dem Tod getrennt zu sein, bereitet manchen Menschen Sorge. Mit der neuen Regelung wird dieser emotionale Wunsch nach Nähe auch über den Tod hinaus berücksichtigt.
Zwischen Tradition und Wandel
Die Entscheidung der Kirchengemeinde zeigt, wie sich Bestattungskultur in Deutschland verändert. Während klassische Erd- und Feuerbestattungen weiterhin dominieren, wächst das Interesse an individuellen, persönlichen Formen des Abschieds. Dazu gehören Naturbestattungen, Seebestattungen – und zunehmend auch die Mitbestattung von Haustieren.
Pastorin Wierk betont: „Wir möchten den Menschen eine würdevolle Möglichkeit bieten, die zu ihrem Leben passt. Dazu gehört auch, das Tier, das jahrelang treu an der Seite stand, nicht ausschließen zu müssen.“
Fazit
Mit Harrislee öffnet sich ein weiterer Friedhof für die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier – ein Angebot, das zwar noch selten, aber gesellschaftlich zunehmend nachgefragt ist. Es zeigt: Trauer und Verbundenheit machen nicht an Grenzen halt, auch nicht an der zwischen Mensch und Tier.